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Geschichtliches, Personen: Louis Spohr
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Louis Spohr (* 5. April 1784 in Braunschweig, † 22. Oktober 1859 in Kassel),
auch Ludwig Spohr, erfolgreicher deutscher Komponist, international bekannter
Dirigent, Organisator von Musikfesten - vor allem aber Geiger von
internationalem Ruf. Neben dem Italiener Niccolò Paganini war er der größte
Geiger seiner Zeit. Louis Spohr war bereits zu Lebzeiten eine Berühmtheit.
Spohr wurde als das älteste Kind des Medizinalrates Dr. Karl Heinrich Spohr
(1756-1843), der 1786 als Physikus nach Seesen am Harz versetzt wurde, und
seiner Frau Ernestine Henke (1763-1840) geboren und zeigte früh musikalisches
Talent, so dass er schon in seinem fünften Jahr gelegentlich in den
musikalischen Abendunterhaltungen der Familie mit seiner Mutter Duette singen
konnte, und wurde mit zwölf Jahren nach Braunschweig geschickt, um bei
gleichzeitigem Gymnasialunterricht sich in der Musik auszubilden. Hier wurden
Kunisch und später Maucourt seine Violinlehrer, während ihn der Organist
Hartung, jedoch nur kurze Zeit, in der Komposition unterrichtete. Nach
Spohrs eigener Versicherung war dies die einzige Unterweisung, die ihm in
Harmonielehre und Kontrapunkt je zuteil geworden, so dass er also die
bedeutenden Fähigkeiten, welche er gerade auf diesem Gebiet besaß, hauptsächlich
dem eigenen Fleiß zu danken hatte.
15 Jahre alt, wurde er vom Herzog von Braunschweig, zum Kammermusikus ernannt
und erhielt zugleich das Versprechen, dass der Herzog ihn zu weiterer Ausbildung
noch irgendeinem großen Meister übergeben wolle. Die Wahl fiel endlich auf Franz
Eck in München, als dieser eben im Begriff war eine Kunstreise nach Russland
anzutreten. Spohr begleitete ihn und kehrte erst im Juli 1803 nach Braunschweig
zurück.
Hier traf er Pierre Rode an, dessen Spiel nachhaltigen Einfluss auf seine
weitere Entwicklung ausübte. Spohrs Ruf als Violinvirtuose verbreitete sich nun
infolge einiger Kunstreisen so rasch, dass er schon 1805 die
Konzertmeisterstelle in Gotha erhielt. In dieser Stellung verblieb er, nachdem
er sich ein Jahr später mit der Harfen- und Klaviervirtuosin Dorette Scheidler
verehelicht hatte, abgesehen von mehreren mit seiner Gattin unternommenen
Kunstreisen, bis 1813, in welchem Jahr er einem Ruf als Kapellmeister des
Theaters an der Wien folgte. Zwistigkeiten mit dem Direktor desselben, Graf
Pálffy, waren die Ursache, dass er dies Amt bereits nach zwei Jahren niederlegte
und wiederum Kunstreisen antrat, die sich diesmal auch auf die Schweiz, Italien
und Holland erstreckten, bis er im Winter 1817 die Kapellmeisterstelle am
Theater in Frankfurt a. M. übernahm. Hier brachte er 1818 seine Oper "Faust" und
1819 "Zemire und Azor" zur Aufführung, welche beide enthusiastischen Beifall
fanden; gleichwohl verließ Spohr schon im September d. J. Frankfurt und begab
sich von neuem auf Kunstreisen nach Belgien, Paris und 1820 nach London.
Nach viermonatigem Aufenthalt ruhmgekrönt zurückgekehrt, ließ er sich in Dresden
nieder, erhielt jedoch schon im folgenden Jahr auf Veranlassung Carl Maria von
Webers die Berufung als Hofkapellmeister nach Kassel und trat im Januar 1822 in
sein neues Amt ein. Größere Virtuosenreisen unternahm er von nun an nicht mehr;
dagegen entfaltete er die ersprießlichste Tätigkeit zur Hebung der musikalischen
Zustände Kassels, wobei er das Niveau des Orchesters auf eine nie zuvor
erreichte Höhe brachte und außerdem einen Gesangverein für Oratorienmusik
gründete.
Nicht minder bedeutend war seine Tätigkeit als Lehrer und Komponist. In ersterer
Eigenschaft wurde er das Haupt einer Violinschule, wie sie Deutschland seit
Franz Benda nicht besessen, und von allen Teilen Europas strömten ihm die
Schüler zu. Gleichzeitig entwickelte er eine erstaunliche Produktionskraft auf
allen Gebieten der Komposition und betätigte sich als Dirigent zahlreicher
Musikfeste in Deutschland und England.
Auch der Verlust seiner Gattin (1834), für die er in einer zweiten Ehe mit der
Klavierspielerin Marianne Pfeiffer nur einen annähernden Ersatz fand, vermochte
seinen Arbeitseifer und seine Pflichttreue nicht vermindern, so wenig wie die
kleinlichen Schikanen, die er später von seinem Fürsten zu erdulden hatte, dies
namentlich nach dem Jahr 1848, obwohl er im Jahr zuvor durch die Ernennung zum
Generalmusikdirektor ausgezeichnet worden war. 1857, gegen seinen Wunsch und mit
teilweiser Entziehung seines Gehalts pensioniert, blieb er bis zu seinem Tod am
22. Oktober 1859 als Mensch wie als Künstler ein Gegenstand der allgemeinen
Verehrung.
Als Komponist hat Spohr die musikalische Literatur auf jedem ihrer Gebiete durch
Meisterwerke von unvergänglichem Wert bereichert. Auf dem der dramatischen Musik
wurde er neben Carl Maria von Weber und Heinrich Marschner der Hauptvertreter
der romantischen Oper, wenn er auch hinsichtlich des szenisch Wirksamen hinter
diesen beiden zurücksteht und infolgedessen seine Opern, mit Ausnahme von
"Jessonda", noch zu seinen Lebzeiten von den deutschen Bühnen verschwanden.
Auch in seinen Oratorien "Die letzten Dinge", "Der Fall Babylons" u. a. folgt er
ausschließlich seinem subjektiven Naturell, um auf die Nachwelt zu wirken,
wiewohl hier seine Neigung zum Elegischen und das konsequente Festhalten eines
erhabenen Pathos sowie endlich der für alle seine Arbeiten charakteristische,
nicht selten in überfülle ausartende Reichtum der Modulation die Wirkung weniger
beeinträchtigen als in seinen Opern. Unbedingte Bewunderung verdienen seine
zahlreichen, ausnahmslos durch Adel der Empfindung und formale Abrundung
hervorragenden Instrumentalwerke, sowohl für Orchester als für Kammermusik,
unter den ersteren die Symphonien in C moll und "Die Weihe der Töne", unter den
letzteren die Quintette und Quartette, sowohl für Streichinstrumente allein, als
auch mit Klavier.
Den größten und verdientesten Erfolg aber haben die speziell für sein Instrument
geschriebenen Werke und seine 15 Violinkonzerte gehabt, darunter namentlich das
7., 8. ("in Form einer Gesangsszene") und 9., sowie seine Violinduette. Seine
große Violinschule steht noch heute an klassischem Wert unübertroffen da.
Dieser Artikel basiert auf dem Artikel
"Louis Spohr"
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