|
82775
|
|
|
 |
|
|
|
Geschichtliches, Stadtteile: Bettenhausen
|
Die erste urkundliche Erwähnung Bettenhausens (damals Bethenhusun) ist vom 1145.
Um das Jahr 1300 zählte das Dorf Bettenhausen etwa 150 Einwohner und muss auch
zu dieser Zeit bereits eine Kirche gehabt haben.
Um 1356 wird der Ringhof (lat. Regina-Hof, Königinhof) genannt, benannt nach der
Eigentümerin, der Tochter des Landgrafen Heinrich II., Königin Adelheid von
Polen.
Im 15.Jahrhundert entstehen die ersten Mühlen, östlich des Dorfes Bettenhausen
die Herwigsmühle (auch als Faustmühle bekannt) und die Lohmühle, vermutlich
identisch mit der 1748 erwähnten Walkenmühle der Kasseler Wolltuchmacher.
1560 wird in der Faustmühle eine Messinghütte errichtet, im Jahre 1679 entsteht
hier im Auftrage Landgrafs Karl der Messinghof zur Verwertung der
Kupfervorkommen. Das Kupfer wurde aus dem Richelsdorfer Bergwerk und das Zinn
aus Schlesien bezogen. In diesem Messinghof wurde der Herkules unter den
Schlägen des Kupferhammers in Einzelteilen von 1713 bis 1717 gefertigt. Der
Hammer selbst ist heute im Technik-Museum in der Kasseler Orangerie zu
besichtigen.
Im Jahre 1758 hat Bettenhausen 497 Einwohner, 1840 sind es bereits über 1000.
1877 wird in Bettenhausen ein Postamt eröffnet, der Bahnhof Kassel-Bettenhausen
entstand 1879 im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnlinie von Kassel nach
Waldkappel.
Wegen der starken Geräuschbelästigung ordnet der Bürgermeister der Gemeinde
Bettenhausen 1896 für Pferdefuhrwerke eine Geschwindigkeitsbegrenzung an. Unter
anderem gilt sie "in der Nähe der Kirche während des Gottesdienstes".
Am 1.4.1906 wird Bettenhausen zusammen mit Kirchditmold, Rothenditmold und
Wahlershausen nach Kassel eingemeindet.
Mit der Stilllegung der Kassel-Waldkappeler Bahn endete am 2. Juni 1985 der
Personenverkehr im Bahnhof Bettenhausen.
Marienkirche
Die evangelische Marienkirche steht in der Tradition der alten Dorfkirche von
Bettenhausen, erstmals genannt in einer Urkunde vom 29. August 1318. Einige in
der heutige Kirche noch mitvermauerte Reste des einstigen Baues geben Anlaß zur
Annahme, daß es sich um ein Gebäude gotischen Stiles gehandelt hat, das wohl
auch kaum viel früher entstanden sein kann, als im Jahre der Erwähnung, denn die
Gotik ist in Hessen etwa in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts eingezogen.
Bettenhausen, das im Jahre 1505 zum Dekanat Kirchditmold gehörte, war eine
Filiale von Waldau.
Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Neubau notwendig, der, wie auf der
Wetterfahne noch zu lesen ist, 1793 fertiggestellt wurde. Am 15. Dezember 1944
zerstörte eine Luftmine das Kirchenschiff völlig. Nach dem Wiederaufbau konnte
die Gemeinde am 3. Oktober 1954 zum erstenmal wieder in ihrer Kirche
Gottesdienst feiern.
Sehenswert sind ein Altar und ein Taufstein aus Maidbronner Sandstein, gestaltet
vom Kasseler Künstler Hermann Pohl, und das Kreuz an der Altarwand von dem
Künstler Hubert Distler aus Wildenroth. Hier wird das Geschehen von Golgatha und
Ostern eindrucksvoll dargestellt.
Kunigundiskirche
Die katholisch Kunigundiskirche wurde 1924-25 von den Kasseler Architekten
Langenberg erbaut.
Kunigundiskirche ca. 1930
1925 wurde der Grundstein der Hallenkirche gelegt. Als erste Kirche in
Spannbeton steht sie unter Denkmalschutz. 1927 wurde eine Reliquie der heiligen
Kunigundis aus dem Reliquienschatz der Kaiserin Maria Theresia übernommen. Die
Kirche wurde durch Bischof Damian (Fulda) geweiht. 1936 setzte man die durch W.
Kall entworfenen Apostelfenster ein. Im selben Jahr erhielt die Taufkapelle
einen Taufstein. 1939 legte man den Altarraum mit Solnhofer Platten aus und
verkleidete die Altäre mit Marmor. 1939 erhielt die Kirche auch eine Orgel von
der Firma Euler, Hofgeismar. Die Orgelweihe vollzog Prälat Delmenhorst. 1941
wurde die von Angelo Nigretti, München, geschnitzte Don-Bosco-Statue, 1942 die
von demselben Künstler geschaffenen Statuen des hl. Judas Thaddäus und der hl.
Maria, der Hilfe der Christen, ebenfalls von Nigretti, eingeweiht.
Industriegebiet in Bettenhausen
Mitte des 19.Jahrhunderts beginnt in Bettenhausen der Aufbau eines
Industriegebiets.
1886 legt August Uhlendorff in Bettenhausen eine Eisengießerei und
Maschinenfabrik an, in Ergänzung und Erweiterung des Eisenhüttenwerkes
Veckerhagen. 1887 verlegt Uhlendorff die Gesamtverwaltung beider Werke nach
Kassel.
In Bettenhausen baute die Salzmann-Textilfabrik 1900 auf dem Gelände des
Agathofs eine neue Weberei, die Segel- und Uniformstoffe herstellte. Bis zu
5.000 Arbeiter waren hier beschäftigt. Doch die Blüte des Werkes ging mit dem
zweiten Weltkrieg zu Ende. In dem Industriedenkmal wurde 1987 die "Kulturfabrik"
mit Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen eingerichtet.
Bettenhausen, Salzmann Kulturfabrik
1902 gründen die Brüder Rudolf und August Manns in Bettenhausen eine Faßfabrik
und einen Faßgroßhandel.
Karl Schölch beginnt 1903 mit dem Aufbau eines Sägewerks und einer Holzhandlung
in Bettenhausen, die sich bald zu einem leistungsfähigen Unternehmen entwickelt.
Früh wendet er sich auch dem Karosseriebau zu.
Mit dem Verkauf eines großen Areals südlich von Bettenhausen am 25. März 1915 an
den Militärfiskus beginnt die Errichtung einer Munitionsfabrik riesigen
Ausmaßes. Im Frühjahr 1917 ist sie vollständig in Betrieb. Bis zu 15000 Menschen
sind in Tag- und Nachtarbeit mit der Herstellung von Munition beschäftigt. Mit
dem Ende des 1. Weltkrieges erfolgt die Stillegung des Werkes.
Die "Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG Wuppertal- Elberfeld" und die "Deutsche
Revisions- und Treuhand AG Berlin" vereinbaren 1935 die Gründung eines
Unternehmens zur Herstellung von Stapelfaser und die Errichtung eines Werkes in
Kassel (Spinnfaser AG). Mit dem Erwerb der Gebäude und des Geländes der
ehemaligen Munitionsfabrik in Bettenhausen fällt der Startschuß zum Aufbau der
Spinnfaser AG (1984 Schließung des Werks; jetzt Industriepark Kassel).
Die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG erwerben 1940 Industriegelände in
Bettenhausen und errichten ein Zweigwerk zur Herstellung von Zubehörteilen für
Flugzeugmotoren. Später werden komplette Flugzeugmotoren in Serie gefertigt.
1943 gilt der erste Angriff der United States Army Airforce auf Kassel den
Fieseler Flugzeugwerken in Bettenhausen und Waldau, die meisten Bomben fallen
jedoch auf die benachbarte Spinnfaser AG und auf Wohngebiete in Bettenhausen
(28.7).
Heute sind etwa 70% der Fläche Bettenhausens Industriegebiet.
|
|
|
|
|